Fachtagung mit der Bundesagentur für Arbeit Stralsund

22.11.2019

Fachtagung in Stralsund November 2019
Podiumsdiskussion bei der Fachtagung in Stralsund

Fachtagung „Mobbing am Arbeitsplatz“ mit der Agentur für Arbeit in Stralsund

Am 20. November luden die Arbeitsagentur Stralsund und der Bürgerbeauftragte Matthias Crone interessierte Unternehmen und Organisationen in das Berufsförderwerk (BFW) Stralsund. Das Thema der Konferenz war „Mobbing am Arbeitsplatz“ und die dadurch entstehenden Probleme für die Unternehmen.

Die diesjährige Konferenz war Teil einer regelmäßigen Veranstaltungsreihe, die die drei Partner – die Arbeitsagentur, der Bürgerbeauftragte und das BFW Stralsund – seit nunmehr sieben Jahren gemeinsam anlässlich des Tages der Menschen mit Behinderung organisieren.

In seinem Einführungsreferat sagte Matthias Crone: „Anfeindungen und Schikanen am Arbeitsplatz treffen Menschen mit Behinderungen in einem besonderen Maße. Wir wissen gerade von Menschen mit geistiger Behinderung oder mit psychischen Erkrankungen, dass sie Mobbing erleben. Mobbing ist hier doppelt verheerend. Betroffene müssen lernen, sich zu schützen. Aufgabe der Arbeitgeber und Führungskräfte ist es, Persönlichkeitsrechte zu wahren helfen.“

Das Thema „Mobbing“ hat eine besondere Aktualität: In Deutschland sind 1,8 Millionen Erwerbstätige nach einer Schätzung der Gewerkschaften von Mobbing am Arbeitsplatz betroffen. Besonders brisant: in gut der Hälfte der Mobbingfälle ist der Vorgesetzte verantwortlich oder zumindest beteiligt. Der volkswirtschaftliche Schaden ist enorm. Schätzungen gehen von 15 bis 25 Milliarden Euro aus. Die Folgen für den Einzelnen sind Demotivation, Angstzustände, dauerhafte Depressionen oder andere massive gesundheitliche Probleme.

Konkrete Tipps und Hinweise erhielten die Teilnehmer der Fachtagung von den beiden Referenten: Alfried Kampen, Präsident des Landesarbeitsgerichtes MV und Andre Schulz, Diplom-Sozialpädagoge aus der Systematischen Beratungspraxis Stralsund.

Konkrete Tipps und Hinweise erhielten die Teilnehmer der Konferenz von den beiden Referenten.

André Schulz, Diplom-Sozialpädagoge aus der Systemischen Beratungspraxis Stralsund, betonte, dass Mobbing kein auf einen einzelnen Zeitpunkt bezogenes Ereignis sei, sondern vielmehr ein Prozess, der sich über einen längeren Zeitraum hinziehe. „Dabei kann jeder betroffen sein. Es gibt kein typisches Opfer-Muster. Die Folgen sind indes immer gleich: Die Mitarbeiter erfahren Diskriminierung und Ausgrenzung von anderen Kollegen, aber auch von Führungskräften.“ Das störe nicht nur nachhaltig das Betriebsklima, sondern schlage sich letztlich auch in einer deutlichen Störung von Arbeitsabläufen und Produktivität nieder.

Wichtig für die Betroffenen aber auch für die Unternehmen sei es daher, Mobbing-Prozesse rechtzeitig zu erkennen und zu intervenieren. Eine offene Kommunikation mit allen Beteiligten – oft auch mit Unterstützung von externen Fachleuten – könne hier helfen. „Im schlimmsten Fall ziehen sich die Betroffenen aus dem Unternehmen zurück - durch Krankheit oder sogar Kündigung. Sich selbst offensiv gegen Mobbing im Unternehmen wehren – das tun die wenigsten.“

Alfried Kampen, der Präsident des Landesarbeitsgerichtes MV, bestätigte das: „Nur die wenigsten Fälle von Mobbing kommen tatsächlich zur Verhandlung vor Gericht.“ Er beleuchtete in seinem Vortrag die rechtlichen Konsequenzen von Mobbing im Unternehmen. Auch für ihn steht fest: „Eine gute Konflikt- und Streitkultur in den Unternehmen ist die beste Prävention gegen Ausgrenzung und Diskriminierung.“